Ein Kreml-Propagandageist geht um

24.12.2019

In der vergangenen Woche veröffentlichte der Bürgermeister von Vilnius, Remigijus Šimašius, einen Facebook-Post darüber, wie der estnische Konzertveranstalter Artmusic versuchte, die Erlaubnis zu erhalten, im Mai 2020 auf dem zentralen Platz von Vilnius ein Konzert mit dem Titel „Lieder der Freiheit“ zu organisieren, welches historische Propaganda des Kremls verbreitet.

In dem an Šimašius gesendeten Brief wird darum gebeten, kostenlos ein Konzert organisieren zu dürfen, in dem zwei Bands auftreten sollen – Ansambel „Soprano“ und ein Chor aus Turetski. In dem Brief wird erwähnt, dass die Konzertreihe „Lieder der Freiheit“ im Jahr 2018 weltweit bereits in acht Städten stattgefunden hatte und im Jahr 2020 geplant wird, ähnliche Konzerte auch in Vilnius, Riga und Tallinn zu organisieren.

In seinem Beitrag weist Šimašius darauf hin, dass in dem Schreiben, in dem um Erlaubnis gebeten wird, kein Wort über die Herkunft der Künstler oder die Finanzierung des Konzerts enthalten ist. Zum Glück sind die Litauer allen ähnlichen Unternehmungen  gegenüber recht misstrauisch und suchten sich die Informationen, die ausgelassen wurden, selbst heraus.

Aus der Internetseite des Projekts geht hervor, dass das Projekt ein Gemeinschaftsprojekt zwischen der Stadt Moskau, dem russischen Kultusministerium und dem russischen Außenministerium ist, welches im Jahr 2018 bereits in Rom, Paris, Washington, New York, Toronto, Warschau und anderen Städten stattgefunden hatte.

Wenn man sich die Internetseite ansieht, bleibt kein Zweifel, dass es sich um eine ziemlich heftige Propagandaveranstaltung des Kremls handelt, die versucht wird, ähnlich einem Trojanischen Pferd, in verschiedenen Städten auf der ganzen Welt organisiert zu werden. Die Bilder auf der Internetseite zeigen deutlich, dass das Konzert eng mit Russlands voreingenommener historischer Ideologie verknüpft ist. Einen zentralen Platz nehmen rote Sterne, Georgsbänder und militärische Utensilien ein. Die Nutzungsintensität variiert je nach Veranstaltungsort, ist zeitweise zurückhaltender und manchmal wiederum deutlich greller.

Der Facebook-Beitrag des Bürgermeisters enthält auch einen litauisch-sprachigen Brief von Zoja Goor, der Direktorin der Konzertagentur Artmusic, der den ganzen Plan dieser Veranstaltung enthüllt.

Zoja Goor ist eine Konzertveranstalterin, die schon seit längerer Zeit in Estland gearbeitet und russische Unterhaltung nach Estland brachte, unter Anderem Konzerte von Filipp Kirkorov, Iosif Kobsoni, Valeri Leontjev, dem russischen staatlichen Philharmonieorchester u.a. und auch der bereits erwähnte Turetski Chor hat unter ihrer Organisation Estland besucht.

Bei dieser Konzertreihe handelt es sich um eine ziemlich harte Variante eines Angriffs der Weichen Macht des Kremls, die versucht, als Trojanisches Pferd in den verschiedenen Städten vorgetragen zu werden. Aus dem Brief geht hervor, dass diese Konzerte sowohl in Tallinn, Riga und Vilnius geplant sind.

Aus dem Dokumentenregister der Stadt Tallinn geht nicht hervor, ob für diese Verbreitung der russischen Propaganda in Tallinn bereits eine Genehmigung beantragt wurde.

Propastop wird die Entwicklungen im Auge behalten und umgehend berichten.

Fotos: aus der Internetseite dieser Konzertreihe.