Die Presse des Kremls lügt: die Estnische Präsidentin hält die russische Sprache nicht für eine Gefahr

09.04.2019

Der Plan der estnischen Präsidentin Kerstin Kaljulaid Mitte April Moskau zu besuchen und sich mit dem russischen Präsidenten Vladimir Putin zu treffen hat großes Interesse auch in den Medien des Ostnachbars geweckt. So zeigte der Monitoringsroboter Propamon in der zweiten Hälfte der letzten Woche ein hohes Niveau bei den Estland betreffenden Nachrichten in den russischen Medien. Der Hauptteil dieser Berichte hatte sich auf die Visite konzentriert.

Bedauerlicherweise befinden sich unter den Veröffentlichungen auch Texte, die versuchten, die mit Estland verbundenen Propagandamythen des Kremls zu verbreiten. So hat die Nachrichtenagentur ria.ru am 4. April einen Artikel mit der Schlagzeile „Die estnische Präsidentin hat russischsprachige Bildung an den Schulen als Gefahr für die Kultur bezeichnet“ veröffentlicht, lenta.ru aber einen Bericht „Die estnische Präsidentin hat die russische Sprache zu einer Gefahr erklärt“. Die Nachrichten lehnen sich an die Rede der Präsidentin vor dem frischgewählten Parlament an.

Schnell, wie eine Weltraumrakete reagierte auch Sputnik, der lokale Propagandakanal Kremls, auf die Nachrichten von Lenta und RIA . Sehr schnell wurde eine Reihe von Experten gefunden, die über die Hintergründe der „Worte der Präsidentin“ zu sinnieren begannen, ohne die Genauigkeit der Zitate genauer zu überprüfen.

Propastop hat schnell festgestellt, dass Kerstin Kaljulaid im Grunde gar nichts Derartiges gesagt hatte. In ihrer Rede vom 4. April vor dem neuen Parlament streift sie sehr wohl die Frage der Sprache, aber das korrekte Zitat lautet laut ERR wie folgt:

Schlechte Sprachkenntnisse, weil wir immer noch kein nur in estnischer Sprache funktionierendes Netzwerk der Kindergärten und Schulen haben, ist hier einer der Hauptfaktoren. Es ist kein Privileg in einem Land ohne Sprache zu bleiben, in dem man arbeitet, weder vorübergehend noch für immer. Unbefristetes Fortbestehen eines zweitsprachigen Schulsystems stellt eine Gefahr für das Fortbestehen der estnischen Sprache und Kultur dar und vergrößert auf keine Weise den Zusammenhalt des estnischen Staates. Wir haben eine Staatssprache. Es ist unsere Verantwortung, dass diese von Allen beherrscht wird, die von den Kindergärten in die Schulen gehen, und ganz bestimmt auch von allen Schulabsolventen.“

Kein einziges Wort über die russische Sprache oder deren Gefährlichkeit. Die Propagandamedien haben den Sinn der Aussagen der estnischen Präsidentin verdreht und ihre Worte durch eine verdrehte Übersetzung in einen Kontext gesetzt, der besser zu den propagandistischen Gesprächspunkten des Kremls passt.

Fälle, in denen durch eine fehlerhafte Übersetzung absichtlich Propagandabotschaften weiter gegeben werden, sind auch früher schon vorgekommen. In der Weihnachtszeit des letzten Jahres wurde in den russischen Medien die Fake-Nachricht verbreitet, in Estland würde eine negative Haltung zur estnischen Republik als Straftat gelten. Im Jahr 2016 wurden aber die Worte des damaligen Premierministers Taavi Rõivas über das Einschüchtern Russlands folgend übersetzt: „Das Einschüchtern Russlands muss zu einer neuen Norm werden.“

Auf dem Bild: Screenshot der Fake-Nachricht. Beachte, dass die Estland betreffenden Texte im lenta.ru Portal unter der Rubrik mit der imperialistischen Botschaft „Ehemalige Sowjetunion“ vermittelt werden.