LikeWar – Die Bibliothek der Propaganda – LikeWar

12.10.2018

Anfang Oktober erschien von P. W. Singer und Emerson T. Brooking das Buch “LikeWar: The Weaponization of Social Media“.

Obwohl während der letzten Jahre hunderte von Büchern über das Thema “soziale Medien” ge

schrieben wurden, kann man über dieses umfangreiche Werk nicht sagen: „schon wieder mal ein Buch über soziale Medien“. Auf den etwas weniger als 400 Seiten wird gründlich das Werden des Internets zu einem Kommunikationskanal und dessen Weiterentwicklung behandelt sowie der Einfluss des Ganzen auf die Gesellschaft des gesamten Planeten.

Den Autoren wurden beim Sammeln und Analysieren der Materialien immer wieder fünf Tatsachen bestätigt, die das Fundament dieses Buches bilden: Das Teenageralter des Internets ist vorbei; das Internet ist zum Schlachtfeld geworden; dieses Schlachtfeld verändert die Auffassungen über einen Kampf; dieser Kampf ändert die Bedeutung des „Krieges“; wir alle werden am „Krieg“ teilhaben.

Dieses Buch ist ein deftiger Lesestoff, welcher die Entstehungsgeschichte sowohl des Internets als auch des Kommunikationskanals beinhaltet, aber auch die Erläuterung des Begriffes „Schlachten schlagen“, der Symbiose der Information und verschiedene, den Fokus des Buches unterstützende Theorien, sowie auch zahlreiche Beispiele darüber, wie das elektronische Netz in unterschiedlichen Konfliktsituationen genutzt worden ist.

Die Autoren präsentieren duzende Beispiele und deren Analysen über die gesamte Periode, in der das Internet existiert. Mit Beginn der Zeiten, als man, um eine Nachricht zu lesen oder zu schreiben, mit einem Modem den anderen Computer „anrufen“ musste, bis zu Beispielen über die Beeinflussung der Wahlen im Jahr 2018.

In dem Buch befinden sich dutzende konkrete Beispiele, sowohl solche, die in den traditionellen Medien beschrieben worden sind, als auch andere, die von den meisten Menschen nie gelesen wurden.

Neben dem Beschreiben der Benutzung der sozialen Medien durch Präsident Trump, der Beeinflussungsaktionen Russlands und der Entstehung Belligcats werden zahlreiche Beispiele auch über die Widerstandsbewegungen, Streitigkeiten zwischen den Cliquen in den sozialen Medien und über Aktionen der Bürgerliteratur beim Liquidieren des Drogenhandels gebracht, aber auch einfach Beispiele über Fälle, wie zufällige Posts in den sozialen Medien global wichtig geworden sind.

Eine Basisbehauptung der Autoren, dass das Teenageralter des Internets vorbei ist, wird durch mehrere in dem Buch beschriebene Beispiele bestätigt, die leider oft mit dem Tod des Helden der Geschichte enden.

Ein solches Beispiel ist die Geschichte mit Felina, die im vom Kampf zwischen Cliquen gepeinigten Tamaulipa eine Facebook-Seite initiiert hatte, auf der durch crowdsourcig gesammelte Informationen geteilt wurden bis hin zu Fotos der Cliquenmitglieder. Diese Seite hatte ungefähr eine halbe Million Follower, was das Sicherheitsgefühl der Menschen wesentlich vergrößert hatte. Das Kartell, für welches die anonym verwaltete Seite wie ein Dorn im Auge war, bot ein Kopfgeld in Höhe von 600 000 Pesos (48 000 US-Dollar), um die diese Seite verwaltende Person ausfindig zu machen.

Am 16. Oktober 2014 wurde auf Felinas Twitterkonto folgende Botschaft gepostet: „Freunde und Familie, mein richtiger Name ist Maria del Rosario Fuentes Rubio. Ich bin eine Physiologin. Heute wurde mein Leben beendet.“ Dazu wurden auch zwei Fotos gepostet, von denen auf dem ersten eine Frau mittleren Alters direkt in die Kamera schaut und auf dem zweiten liegt dieselbe Frau auf dem Boden, mit einem Einschussloch im Kopf.

Zusammenfassend muss man sagen, dass dieses Buch eine Pflichtlektüre für alle ist, die sich für die Entwicklung des Internets als Kommunikationsumgebung interessieren. Das Buch bringt eine bedeutende Ergänzung zu allen möglichen Geschichten über YouTuber, Blogger und Kommerzinfluencern und zeigt, dass das Internet als Kommunikationsumgebung wesentlich größer ist, als wir es alltäglich spüren.