Die Bibliothek Propastops: Propagandakrieg im 21. Jahrhundert

25.05.2018

Das Buch “Propagandakrieg im 21. Jahrhundert” von Georgi Potšeptsov ist ein druckwarmes propagandatheoretisches Werk vom Frühling 2018.

Vorwegnehmend muss gesagt werden, dass es sich um ein sehr wertvolles Buch handelt, obwohl ein auf dickem Papier gedruckter 173-seitiger „Pseudoklotz“ dies auf den ersten Blick nicht denken lässt.

Um dieses Buch zu lesen, benötigt man einen klaren Kopf und ebenso die Zeit, um sich in das Werk hineinzudenken sowie ein Heft zum Notizen machen.

Die ersten paar Kapitel schaffen den Eindruck, es handele sich um eine Steinmauer, bei der vergessen wurde den verbindenden Mörtel zwischen den einzelnen Steinen zu benutzen. Beim Weiterlesen wird jedoch die Konzeption deutlich und es erweist sich der eigentliche Wert dieses Buches.

Bei dem Buch von Potšeptsov handelt es sich um ein mit kurzen Beschreibungen ausstattetes Inhaltsverzeichnis eines äußerst umfassenden Werkes über die zeitgemäße und aktuelle Propagandahandhabung. Der Autor hat in diesem Bund die Gedanken verschiedener Theoretiker gesammelt und versucht, daraus ein neues Ganzes zu formulieren. Der feste Rahmen in der Vision Potšeptsovs über die Beschreibung der zeitgenössischen Propaganda wird sehr deutlich durch die Auswahl der Zitate gelenkt und das sich daraus ergebende Bild ist spannend.

Beim sich vertiefen in dieses Buch entsteht ziemlich schnell die Notwendigkeit, sich Notizen zu machen, weil die in diesem Buch gesammelten Gedanken, die sehr gut gewählt und bedeutungsvoll sind, im Buch nicht tiefgründiger erklärt wurden. Ebenso fehlt leider  auch ein Register mit Hinweisen und Quellen, dies würde ein einfacheres Arbeiten zu ermöglichen.

Durch die Zitate beschreibt dieses Buch die heutige Situation über das Wesen der  Propaganda, die Umwelt, in der Propaganda funktioniert bis zu den benutzten Propagandatechniken. Potšeptsov geht beim Präsentieren der Materialien vom Modell der Dreieinigkeit des physischen Raumes, des Inforaumes sowie des Virtualraumes aus und macht dadurch die dargestellten Materialien wesentlich Wertwoller. Er schreibt: „In der Propaganda sind der physische Raum, Info- und Virtualraum auf das Beeinflussen des vierten bzw. kognitiven Raumes oder dem Geist des Gegners ausgerichtet. Man kann die Truppen (physischer Raum) bewegen, vom Grauen im Nachbarstaat sprechen (Inforaum) und im Nachbarn einen Feind sehen (Virtualraum), um das eigene Volk von der Notwendigkeit militärischer Intervention zu  überzeugen und ihm dies sogar zu vermitteln.“

Der Autor hat auf der praktischen Seite die Erfahrung mit der Ukraine dargestellt, die durch die langen Abschnitte des theoretischen Teiles unterbrochen wird.

Der frischeste Werk Potšeptsovs ist eine notwendige Pflichtlektüre für diejenigen, die versuchen, die praktische Auswirkung der Beeinflussungsaktionen Russlands, das Wesen und die Möglichkeiten der Integration, aber auch die mögliche Rolle des Fernsehsenders ETV+ und die wichtigen und unwichtigen Teile dieses Programmes zu verstehen.

Zum Beispiel schreibt er: “Der Kommunikations- und Virtualraum wird nicht durch das Bauen einer Mauer, sondern durch das Schaffen des eigenen ähnlichen Raumes geschützt. Als Ergebnis entwickelt sich ein persönliches Weltmodell, welches den Angriff durch die Produkte anderweitiger Weltmodelle abwehrt, falls diese aggressiv angelegt sind. Diese werden als nicht vertrauenswürdig, witzig, dumm, aber auf jeden Fall nicht für jene gehalten, die ein eigenes Produkt entwickeln könnten. Das ist ein Filter und keine Mauer.

Eine solche Abwehr durch ein eigenes Weltmodell entsteht nicht, bevor man eigene Bestseller, Serien und Helden hat, welche nicht aus der Vergangenheit, sondern aus der Gegenwart stammen. Die Helden, die nur von einer Hälfte der Bevölkerung anerkannt werden und von der anderen Hälfte nicht, destabilisieren einen Staat eher, als das sie ihn verbinden.“