Verschwörungstheorien im Infokrieg

25.09.2018

In der Rubrik „Die Bibliothek von Propastop“ teilen wir dieses Mal ein Seminar der Vaba Akadeemia (auf Deutsch: freie Akademie) vom 21. September 2018, in dem Mihhail Lotman, Mari-Liis Madisson und Andreas Ventsel über Verschwörungstheorien sprechen. Dieses halbstündige Seminar kann bei Postimees TV nachgeschaut werden.

Mit den Themen von Propastop deckt sich ein Vortrag von Semiotiker Andreas Ventsel (ab der 57. Minute).

Ventsel formuliert den Begriff „Infokonflikt“ genauer und erklärt, wie sich der Inhalt dieses Begriffes geändert hat. Der früher überwiegend in militärischer Bedeutung benutzte Begriff hat mit der Entwicklung der Kommunikationsmittel immer mehr demokratischen Inhalt bekommen, jetzt wird das ganze Publikum mit einbezogen. Der Redner kam nicht umhin, Russland und die Besonderheiten, die dieser Staat beim Informationskrieg treibt, zu benennen. Wenn das gewöhnliche Ziel einer Beeinflussungsaktione das Mobilisieren des Publikums bei einem gleichen Thema ist, dann ist das Ziel des Kremls eher, einen Informationsnebel zu erzeugen: Unklarheit sähen und die Glaubwürdigkeit der Presse untergraben. Die Verschwörungstheorien der sozialen Medien sind dafür gute Werkzeuge, die wichtig scheinende Themen verbreiten und eine breite Angstatmosphäre zu schaffen.

Als Beispiel einer solchen Verschwörungstheorie bringt Ventsel ein im Jahr 2017 iin den russischen Medien verbreitetes Gerücht, laut welchem die US-Streitkräfte Genproben von Russen sammeln, um so eine biologische Waffe zu entwickeln, die eben diese Nationalität beeinflussen wird.

Auf dem Bild: Andreas Ventsel. Foto: Ruudu Rahumaru Events/ Wikipedia / CC