Robotervideos vervielfältigen auf Youtube die Propaganda gegen Estland

30.04.2019

Propastop hat auf Youtube dutzende Videos gefunden, welche versuchen, Estland in einem negativen Licht zu zeigen und die Gesichtspunkte der Propagandisten des Kremls zu verbreiten. Solche Videos wurden mehrere tausend Male angeschaut.

Um das Wesen solcher Propagandavideos zu veranschaulichen, zeigen wir die Hintergründe des Anlegens eines konkreten Videos und seiner Verbreitung.

Das zum zeigen ausgewählte Video basiert auf einem Ereignis im Juli letzten Jahres, als ein Flugzeug, in welchem sich angeblich der russische Präsident Vladimir Putin befunden hatte, in der Nähe der Insel Vaindloo die Grenze des Luftraums verletzt hatte. In dem Propagandavideo wird versucht, eine verdrehte Handhabung zu vermitteln, als wären die Mitteilungen der estnischen Seite über die Verletzung des Luftraumes nur ein russophobes Hirngespinst, welches lediglich zu dem Zweck erdacht wurde, um die westlichen Verbündeten um Geld anzupumpen.

Wie ist dieses Video gemacht?
Grundlage solcher Videos ist ein auf Text basierender Nachrichtenartikel in irgendeinem russischen Portal. Dieses konkrete Video basiert auf einem im Portal topnewsrussia.ru  veröffentlichten Artikel.

Aus dem Text des Artikels wurde mit Hilfe eines russischsprachigen Textsynthesizers ein Soundfile gefertigt. Die „Roboter-Moderatoren“ ermöglichen ein schnelles generieren der Tonfiles, ohne reale Menschen einzubeziehen. Die Textsynthesizer sind kostenlos im Internet zu bekommen, zum Beispiel hier.

Als Hintergrund für den von einem Roboter generierten Ton wurden aus dem Internet Fotos gesucht: Bilder der estnischen Flagge, von Vaindloo, vom Flugzeug Putins. Ausgesucht wurden Bilder, die die Suchmaschine Google als erste anzeigt.

Wie zu sehen ist, wurde dieses Video mit überaus einfachen Mitteln geschaffen. Das Fertigen der robotisierten Propagandavideos benötigt kein großes Team, wahrscheinlich schafft ein Mensch es mit seinem Computer in ein paar Stunden.

Wer hat dieses Video gemacht?
Das Video wurde auf Youtube ursprünglich in einem Kanal Namens News 7 veröffentlicht. Gemäß dem Namen und des Titelbildes entsteht der Eindruck, dass es sich um einen ernstzunehmenden Fernsehkanal, um ein glaubwürdiges Medienhaus des Westens handelt

Tatsächlich existiert ein Fernsehkanal mit solchem Namen gar nicht und News 7 imitiert einfach einen Fernsehkanal. Das Konto auf Youtube lässt sich mit keinem Menschen in Verbindung setzen, das einzige, was wir wissen, ist, dass dieser Kanal in Russland im Jahr 2016 gegründet wurde. Auf dem Kanal fehlen Kontakte, es gibt keinen einzigen Hinweisen auf irgendwelche Organisationen, ebenso gibt es keine Social-Media-Konten.

Zugleich schafft der anonyme Kanal jeden Tag etwa fünf Propagandavideos. In einigen von diesen geht es um baltische Länder, in den anderen wiederum um die Ukraine oder Europa. Alle befördern die Propagandabotschaften des Kremls, insgesamt hat News 7 über 1800 solcher Videos geschaffen.

Neys 7 sammelt Spenden, um seine Tätigkeiten zu finanzieren, aber es ist nicht zu erkennen, an welche Organisation das Geld geht. Der Kanal wird auch durch Werbung finanziert; so wurde im April mit der Werbung, welche den Zuschauern der Propagandavideos gezeigt wurde, ca 5000 US Dollar verdient.

Wie wird das Video verbreitet?
Trotz des einfachen Aufbaus des Videos wurde es ziemlich weit verbreitet. Auf Youtube wurde es über 780 000 Mal angeschaut, es wurde in mehr als 50 russischen Blogs geteilt, auf der Seite für das Teilen von Videos, auf einem Konto in den sozialen Medien, das mit Russland im Zusammenhang steht. Es scheint, dass ein Teil dieses Netzwerkes absichtlich geschaffen wurde, um solche Propagandavideos im russischsprachigen Inforaum zu verbreiten.

Das oben beschriebene Video ist keine Ausnahme: alle Propagandavideos von News 7 werden weitläufig geteilt. Insgesamt ist dieser Kanal auf Youtube während seiner ganzen Geschichte 123 Millionen Mal angeschaut worden.

Dabei ist News 7 nur eine der Kanäle auf Youtube, die sich mit dem Produzieren und Verbreiten von Propagandavideos beschäftigt. Propastop hat davon ca. zehn gefunden, aber wahrscheinlich gibt es noch mehr. Mehrere stehen mit bestimmten Personen oder Organisationen im Verbindung, einige sind aber genauso anonym wie News 7. Alle leisten ihren Beitrag, um im russischsprachigen Medienraum viele emotionale Propagandabotschaften mit bewegenden Videos sehen zu können.

Kann das Verbreiten der Videopropaganda verhindert werden?

Um das Verbreiten solcher Videos einzuschränken, gibt es zwei einfache Wege.

Der erste ist, dass die estnischen Unternehmen von solchen Kanälen keine Werbung mehr kaufen. Die zweite Möglichkeit ist, sich auf den Fakt zu stützen, dass die in solchen Videos benutzten Fotos wahrscheinlich benutzt worden sind, ohne die Autoren um Erlaubnis zu fragen. Wenn man Youtube den Verstoß gegen Autorenrechte mitteilt, kann diese Internetumgebung das Zeigen dieser Videos beenden und auch die Tätigkeiten des Kanals begrenzen.

Auf dem Bild: Screenshots aus den Materialien, auf welche in diesem Bericht hingewiesen wurde.