Farah, eine Teenager-Social-Media- Kämpferin.

28.09.2018

Propastop möchte mit einer neuen Reihe von Posts eine zweite Linie der gegenwärtigen militärischen Konflikte eröffnen – über das Wesen des im öffentlichen Raum stattfindenden Kampfes und die bisherigen Praktiken.

Der militärische Konflikt, sei er zwischen Russland und der Ukraine, Israel und der Hamas oder der USA und dem IS, hat auch zu einem umfassenden Informationskrieg geführt, der die Aufmerksamkeit und Unterstützung der Menschen gewonnen hat.

In unserer heutigen Post stellen wir die Geschichte von Farah Baker vor, die heute auf der ganzen Welt bekannt ist. Sie ist zu einem Covergirl des in den sozialen Medien gehaltenen Informationskrieg geworden.

Im Jahr 2014, als sie 16 Jahre alt war und im Gaza-Streifen lebte, begann sie in einer Nacht mit wiederholten Bombardierungen in ihrem Gebiet auf Twitter zu posten. Das Mädchen postete, was sie hörte, sah, fühlte und erfuhr und tat dies emotional. Farah twitterte auf Englisch und fügte Fotos von den Ereignissen hinzu, von sich selbst und auch von ihren Mitmenschen, die mit ihr zusammen unter den Bombenangriffen gelitten hatten.

Die Tweeds von Farah gewannen schnell Follower, zum Beispiel bekam der dritte Post bereits rund 1500 Retweets und in kurzer Zeit sprang die Zahl der Twitter-Account- Follower von 800 auf 200 000.

Sie wurde zu einer wertvollen Quelle für große internationale Medienausgaben, wie zum Beispiel The Guardian, The Wall Street Journal, u.s.w. und auch zu einem beeinflussenden Botschafter (influencer) für die den Gaza-Streifen betreffenden Themen. Farahs Botschaft über das erfahrene Leid wurde verbreitet und dadurch auch das vom Gaza-Streifen angestrebte Narrativ gegen Israel.

Es ist bemerkenswert, dass das in diesem Konfliktherd lebende junge Mädchen durch die gewonnene Aufmerksamkeit eine vollständige Medienschlacht gegen die Israelische Armee führte und in der Welt weitläufig Israel kompromittierende Botschaften verbreitete.

In den die militärischen Aktivitäten begleitenden Informationskonflikten ist nicht entscheidend, wie viel militärische Technik du besitzt. Die Ausrüstungsüberlegenheit einer Seite kann im Informationsraum eher an die Anderen Vorteile geben, weil dieser so wesentlich mehr Mitleid und Mitgefühl zuteil wird.

Heutzutage muss der Sieger des physischen Krieges nicht der sein, der auch im Informationsraum Überhand gewinnt und die Geschichte schreibt. Der Verlierer des Krieges kann einen sehr großen Anteil daran haben, wie der Konflikt in der Welt gesehen wird und wie das gehört wird, was eigentlich geschah.

Über die Geschichte von Farah Baker hat David Patrikarakos ausführlicher in seinem Buch “War in 140 Characters: How Social Media is Reshaping Conflict in the Twenty-First Century“ geschrieben.

Es ist nicht bekannt, ob Sarah alleine hinter diese Aktivitäten stand, oder ob sie wie ein Covergirl für eine größere Gruppe war, die über die Geschehnisse im Gaza-Streifen ihre Botschaft verbreiten wollte. Wichtig ist das Geschehene zu verstehen und darüber nachzudenken, ob man in Estland im Bedarfsfall für zu etwas Ähnlichem in der Lage wäre.