Estnische Politiker sind ein wertvolles Basismaterial für die russischen Propagandamedien

09.06.2018

Während des letzten Halbjahres sind in den russischen Propagandamedien Presseberichte über diverse Aussagen estnischer Politiker aufgefallen. Anfang Juni gab es dazu eine weitere Ergänzung. Wegen eines Satzes des Alt-Präsidenten Ilves entstand eine Nachrichtenwelle.

In der Statistik des automatischen Monitorings durch Propamon sind die Rekordhalter immer noch die Nachrichten über das Interview mit Sven Mikser. Die Anzahl der Artikel über die Aussage von Alt-Präsident Ilves näherte sich diesem Rekord jedoch an.

Neben den Äußerungen von Mikser und Ilves wurden beispielsweise auch jene von Präsidentin Kaljulaid, sowohl über ihren Besuch in der Ukraine, als auch über das Großmanöver Siil 2018, thematisiert. Noch mehr Aufmerksamkeit bekam aber der Kommentar von Urmas Reinsalu bezüglich der Renovierung oder teilweisen Abrisses des Maarjamäe Memorials.

Solche Berichte bekommen ihren Schwung, wenn man die einzelnen Sätze der estnischen Politiker aus dem Kontext reißt oder diese beim Übersetzen verdreht. Es werden sowohl die Fehlgriffe in der Wortwahl, als auch die verschieden interpretierbaren Sätze und ebenso die für Politiker typischen plastischen Aussagen ausgenutzt.

Bei den estnische Politiker betreffenden Themen ist der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses der Staatsduma, Aleksey Pushkov, zu einem aktiven Sprachrohr und Berichterstatter geworden. Er hatte in Twitter sowohl über Mikser und Kaljulaid als auch Ilves seine Stellungnahmen abgegeben.

Unsere Erfahrungen zeigen, dass es nur wenige Fälle gibt, in denen Russland nicht versucht, Estland wegen der Aussagen unserer Politiker anzugreifen. Einerseits müssten Politiker ihre Aussagen bezüglich Russland gründlicher durchdenken, andererseits brauchen Propagandamedien oftmals keine Quellen, um angreifende Berichte zu schreiben.

Foto: Greg Mason  / Flickr / C