Die falsche Nachricht „Tallinn wird abgeriegelt“ war kein koordinierter Informationsangriff

19.03.2020

In der Zeitung „Päevaleht“ erschien heute, am 18. März, ein Artikel der investigativen Journalisten Martin Laine, Holger Roonemaa und Oliver Kundi, in dem die Hintergründe über das am 16. März in Estland verbreitete Gerücht erklärt wurden.

Der vollständige Artikel kann hier (hinter der Gebührenmauer) gelesen werden.

Weil es sich nicht um einen wichtigen Fall handelt, der die Informationssicherheit Estlands betrifft, macht Propastop eine Zusammenfassung von den wichtigsten Schlussfolgerungen dieses Artikels.

Bei diesem Fall handelt es sich nicht um eine böswillige Informationsoperation oder um einen vom Ausland koordinierten Informationsangriff. Über die Möglichkeit, ob es sich um einen Angriff handelt, spekulierten Ilmar Raag in der Zeitung Õhtuleht und der Journalist Joosep Tiks in der Zeitung Päevaleht.

Zur Info! Heute um 16.00 eine Pressemitteilung, Harjumaa und Tallinn werden abgesperrt, Streitkräfte werden die Straßensperren aufbauen, ohne triftigen Grund gibt es eine völlige Ausgangssperre. Ab 16 Uhr trifft auch ein Alkoholverkaufsverbot in Kraft.

Propastop macht darauf aufmerksam, dass diese Spekulationen dem ganzen Fall zusätzlich eine beunruhigende Note hinzugefügt und zum Durcheinander beigetragen hat.

– Anstelle eines Informationsangriffs handelte es sich aber um ein Gerücht, um eine falsche Information oder Fake-Nachricht, die von normalen estnischen Social-Media-Nutzern verbreitet wurde. Jeder, der sie geteilt hatte, versuchte die Information möglichst schnell weiter zu leiten. Während dieses Social-Media-Telefonspiels wurden durch das Teilen auch Verweise auf fiktive Autoritäten und Quellen hinzugefügt.

– Laut diesen Artikels war die erste Quelle für das Gerücht ein Post von Jemandem, der sich „Jaanus“ nennt, am Sonntag, dem 15. März (in der Zeitung Päevaleht wurde irrtümlich ein falsches Datum genannt). Dieser Post war eine irrtümliche Fehlinterpretation von Informationen, die „Jaanus von seinen Bekannten aus der Defence League bekam.

Propastop zieht einige Schlussfolgerungen aus dem Fall

  • Estland muss seine Fähigkeiten verbessern, während einer Krisensituation die Geschehnisse in den sozialen Medien zu überwachen und Fake-Nachrichten früher zu widerlegen. Obwohl dem Gerücht innerhalb weniger Stunden auf die Spur gekommen war, konnte die falsche Information ziemlich weit verbreitet werden und hat wahrscheinlich auch Schaden angerichtet. Dem Staat fehlt im Grunde ein Kanal, der Gerüchte schnell und autoritär stoppen könnte. Propastop hat sich gegen so etwas schon lange ein Mittel ausgedacht.
  • In der Krisensituation ist es wichtig, dass jeder die Inhalte seiner Posts überprüft. Jeder kann im schlechtesten Falle zu einem Verbreiter werden, sogar dann, wenn er das selbst nicht möchte. Wenn man das weiß, sollte man seine Gewohnheiten beim Teilen von Informationen noch einmal überdenken.
  • Um die Anonymität der Daten zu garantieren, reicht es nicht aus, diesen ein Alias zu geben. Auch die Screenshots müssen überprüft und verarbeitet werden. So zeigte der in der ersten Version des Artikels von Eesti Päevaleht veröffentlichte Screenshot, wie der wahre Name von „Paavo“ eigentlich lautete.
  • Um ein Ereignis als Informationsoperation zu bezeichnen, müssten klare Fakten genannt werden, auf denen basierend dieses behauptet wird.