Das Problem liegt nicht bei Postimees

09.08.2019

Der letzte Tag der letzten Woche brachte die Nachricht, dass die Postimees Gruppe nun anstelle der BMA Estonia damit beginnt, Werbung an die russischen Fernsehkanäle, PBK, NTV Baltic Estonia, REN-TV Baltic Estonia und DOM Kino zu vermitteln. Diese Mitteilung hat einen Kritiksturm in den konkurrierenden Kanälen verursacht und Postimees wurde einträchtig verurteilt. Dies unabhängig davon, dass diese Medienausgabe bislang einer der aktivsten Kämpfer gegen Propaganda und Beeinflussungstätigkeiten war und auch ein Aufklärer der Menschen gewesen ist.

Wenn wir allerdings die Emotionen und den Wunsch, den Konkurrenten zu ärgern, zur Seite lassen, muss zugegegeben werden, dass Postimees keine Schuld trifft.

Ja, durch die Vermittlung von Werbekunden und somit von Finanzen für die Entwicklung russischer Propagandakanäle wird ein Bärendienst auch für den estnischen Staat und die hiesige Menschen geleistet, aber es handelt sich lediglich um die Vermittlung von Werbung.

Wäre die Kritik genau so intensiv gewesen, wenn anstatt der BMA Estonia mit der Vermittlung der Werbung nicht die Postimees Gruppe, sondern die Firmen Mustik und Punik weiter gemacht hätten? Wahrscheinlich nicht.

Das Problem ist eigentlich das Kaufen der Werbung, nicht das Vermitteln oder Verkaufen dieser.

Das Problem liegt nicht an den Kanälen PBK, NTV Baltic Estonia, REN-TV Baltic Estonia und DOM Kino, sondern daran, dass die estnischen Firmen den kürzesten Weg benutzen, um ihre Kunden zu erreichen. Sie bezahlen an jene Kanäle, welche von der russischen Regierung gegründet oder unterstützt und mit Inhalten ausgestattet sind, sei es denn als TV-  oder Radiosender, oder dem Weltweiten Online-Trend folgend, wie beispielsweise der online-Ausgabe Youtube oder anderen ähnlichen Plattformen. In all diesen Kanälen kann man heute auch die Werbungen der estnischen Organisationen neben den vom Kreml diktierten Inhalten sehen.

Propastop hat wiederholt geschrieben, dass die Werbung der estnischen Firmen in den russischen Propagandaumgebungen oder in den speziell für die Vermittlung der Propaganda gegründeten Youtube-Kanälen gefunden werden kann. Wir haben Empfehlungen gegeben, wie so etwas technisch beendet und eine Auflistung der die Propaganda des Kremls verbreitenden Kanälen zusammengestellt und diese später auch aktualisiert werden kann.

Die Kunden estnischer Medien haben schon lange dutzende Diskussionen gesehen, ob und was man mit den russischen Propagandakanälen machen müsste, aber trotzdem unterhalten wir uns auch heute darüber, ob es höflich ist, die Werbung an diese Kanäle zu vermitteln oder nicht.

Es ist nötig die Verbreitung zu begrenzen und das Bewusstsein des Verbrauchers zu stärken.

Laut der Redaktion Propastops müssten die hier verbreitenden Propagandakanäle gekennzeichnet sein. Das würde eine Diskussion ausschließen, ob jemandem bekannt ist oder nicht, dass diese Kanäle voller feindlicher Inhalte sind, welche von der Regierung des Ostnachbars gelenkt werden.