Andrei Archangelsky: Die Propaganda des Kremls kontrastiert mit der Moderne

10.12.2019

Das Portal EUvsDisinfo veröffentlichte Ende November ein langes Interview mit dem russischen Journalisten, Kolumnisten und den Kulturredakteur der Zeitschrift „Ogonjok“, Andrei Archangelsky.

Nach Angaben von EUvsDisinfo ist Archangelsk einer der aktivsten Kommentatoren zu den Themen Desinformation und Propaganda in Russland, so zum Beispiel für die Medienausgaben CarnegieColtaDelavoi PeterburgKommersant und Republic.

Ebenso tritt er aktiv in den Sendungen von Eho Moskvõ  und Radio Svoboda sowie den Fernsehkanälen TV Došd und Nastojašie Vremja TV auf.

Dieses Interview gibt durch die Erfahrung von Archangelsk einen frischen Blickwinkel auf die Natur der Propaganda und die Informationsmanipulationen heutzutage.

Zum Beispiel wird er gleich am Anfang des Interviews gefragt, welchen Begriff er bevorzugt, ob den im Westen für russische Propaganda gebräuchlichen Begriff „Desinformation“, das Wort „Propaganda“ oder den mehr vagen Begriff „Fakeinformation“.

Archangelsk sagt deutlich, dass er den Begriff „Propaganda“ bevorzugt. Desinformation und Fakeinformation sind nach seiner Einschätzung Werkzeuge. Propaganda ist aber ein deutlich breiteres psycholinguistisches Phänomen.

Ebenso wird Archangelsk gefragt, ob es möglich ist, für die vom Kreml kommende Propaganda ein klares und deutliches Merkmal zu benennen.

Laut Archangelsk war die russische Propaganda bis 2014 eher eine Einzelfallreaktion auf die Vorfälle auf dem Ukrainer Maidan. Seit 2016 ist sie global und versucht, die ganze Welt zu beeinflussen.

Er sagt, dass die moderne Propaganda des Kremls ein anti-modernes Projekt ist und dadurch einen Kontrast zur Moderne bildet. Nach Ansicht Archangelsks versucht Russland, sich zum Sprecher des Konservatismus in der Welt zu machen.

Weiterhin wird Andrei Archangelsk auch nach seiner Meinung darüber gefragt, welche Ziele Propaganda heutzutage verfolgt.

Laut dem Befragten ist das globale Ziel der russischen Propaganda, jeden vorhandenen Wert, insbesondere liberale Werte, zu zerstören. Dazu versuchen sie, den Menschen die Vorstellung zu vermitteln, dass es keine Werte mehr gibt, sondern nur noch grobe Instinkte und Gewohnheiten.

Das Interview mit Archangelsk ist eine lohnende Lektüre, um zu verstehen, wie unterschiedlich die Propagandaziele des Kremls im westlichen Kulturraum und in Russland verstanden werden.

Der Bericht ist sowohl auf englisch als auch auf russisch veröffentlicht.

Foto: Screenshot von der EUvsDisinfo Internetseite.